Die Vinschger Bahn fährt wieder!

Am 05.05.2005, 10:35 Uhr, fuhr der erste reguläre Zug auf der 1991 "endgültig" stillgelegten* Banhstrecke von Meran nach Mals. An Bord geladene Gäste, die zum offiziellen Festakt nach Mals reisten, bevor gegen Mittag dann der reguläre Zugbetrieb aufgenommen wurde.

*(1990 war der letzte planmässige Zug gefahren, 1992 nach Übernahme der stillgelegten Strecke durch das Land Südtirol waren noch Sonderfahrten durchgeführt worden.)

Begleitet wurde die Wiederinbetriebnahme von zahlreichen Bahnhofsfesten und Veranstaltungen rund um die Vinschger Bahn. Zukünftig soll mit den modernen Triebzügen von Stadtler ein Verkehr im Halbstundentakt auf der rund 60 Kilometer langen Strecke durchgeführt werden. Zunächst sind acht, jeweils 1000 PS starke, Diesel-elektrische Triebwagengarnituren zum Stückpreis von 2,9 Millionen Euro im Einsatz.

Geliefert wurden die Triebwagen in einer silbernen Lackierung mit rot abgesetzen Einstiegsbereichen. Buchstäblich in letzter Minute wurde dieses Designschema jedoch noch abgeändert. Die Fahrzeuge sollen nun im neuen bunten Dekor der "Dachmarke Südtirol" beklebt werden, was bis zum Eröffnungstag jedoch noch nicht abgeschlossen war, sodass man am Eröffnungstag an einigen Fahrzeugen noch verschiedene Zwischenstufen des teilweise entfernten „Alt-Dekors“, bzw. dessen Klebereste an den silbernen Fahrzeugen sichten konnte.

Rechts eine "Design-Zwischenlösung" am Eröffnungstag. Im unteren Bereich wurde das rot bereits entfernt.

Insgesamt wurden 116 Millionen Euro durch das Land Südtirol in die Bahn investiert, von der man sich, sicher nicht zu Unrecht, eine hohe Attraktivität für den Tourismus erwartet. Neben der gemütlichen Fahrt durch das Vinschgau, auf der rund 700 Höhenmeter überwunden werden, laden zahlreiche, teils parallel führende, gut ausgebaute Rad- und Wanderwege dazu ein, von den Bahnstationen aus erkundet zu werden. Hierzu wurde auch ein eigener Radverleih an den Bahnstationen eingerichtet. Der starke Andrang an den ersten Betriebstagen, an denen die Bahn hoffnungslos überfüllt war, läßt für die Zukunft Positives erhoffen.

Eine Bahnverbindung durch den Vinschgau war nicht immer als Nebenbahn konzipiert worden. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts bestanden Überlegungen für eine Alpenüberquerung über den Reschenpass als Teil einer Verbindung zwischen England und Indien. Verwirklicht wurde dann aber stattdessen die bekannte Brennerlinie über Insbruck und Bozen durchs Tal der Eisack. Trotzdem wurde auch in den Folgejahren immer wieder eine Verbindung von der Schweiz, als Engadin – Orient Bahn, oder von Landeck nach Bozen ins Gespräch gebracht. 1881 wurde ab Bozen die Verbindung nach Meran und am 01.07.1906 schließlich die Bahnlinie von Meran nach Mals eröffnet. Zu einer Verlängerung und einem Anschluss an das Schweizer oder Österreichische Bahnnetz kam es jedoch nie. Allerdings ist diese Idee nie ganz in Vergessenheit geraten. Sowohl nach dem ersten Weltkrieg, als die Bahn in die Verantwortung der italienischen Staatsbahnen fiel, als auch am Ende des zweiten Weltkrieges wurde wieder, diesmal aus strategischen Gründen, eine Verlängerung nach Landeck ins Auge gefasst, jedoch nie realisiert. 1989 kam das Ende für den regulären Zugbetrieb, bis zur Streckenstillegung am 02.06.1991 wurden noch Dampf-bespannte Sonderfahrten durchgeführt.

1999 konnte das Land Südtirol die Strecke von den Staatseisenbahnen übernehmen. Es waren umfangreiche Sanierungsmaßnahmen erforderlich, bevor Ende 2004 erste Testfahrten mit modernen Triebwagen durchgeführt werden konnten.

Der Eisenbahnfreund kann an der Strecke noch zahlreiche Relikte aus der Dampflokzeit wie Wassertrüme und -Kräne erkennen. Im Bild oben rechts ein Wasserkran am Bahnhof Laas, bekannt durch den Marmorabbau.

Hier befinden sich auch zwei weitere bahntechnische Besonderheiten. Von der sog. Marmorbahn, die die Blöcke aus den Brüchen transportiert, erfolgt der Transport ins Tal über einen Schienengebundenen Schrägaufzug ins Tal (Bild rechts).

Dem Modellbahner bietet besonders der erste Streckenteil von Meran bis Töll mit einer interessanten Streckenführung durch den Ort Marling (Wendeschleife) und mehreren kurzen Tunnels Anregungen für den Nachbau. Dieser Streckenteil ist über den Marlinger Waalweg [KLICKEN SIE HIER] bequem zugänglich.

Nach der Wiedereröffnung der Strecke im Mai 2005 wird in visionären Überlegungen auch die alte Idee einer Verbindung in die Schweiz wieder belebt. Ein Anschluss an die Rhätische Bahn in Scuol wäre mittels eines rund 20 km langen Tunnels tatsächlich denkbar. Ob hier aber jemals konkrete Planungen folgen werden, daran mag im Moment eigentlich niemand zu glauben.


Zur Wiedereröffnung der Bahnlinie erschienen zahlreiche Beiträge und Sonderdrucke in den lokalen Medien sowie eine Festschrift. Informationen erhält man auch im Internet z.B. unter

www.vinschgauerbahn.it

www.vinschger.com/vinschgerzug.htm

www.eisenbahn.it

www.mecschlanders.com

Weiterer Zwischenschritt:

Nur die Türbereiche sind noch in rot.

Völlig silberner Zug, an welchem noch die Klebereste erkennbar sind.
Offizielles Design zur Eröffnung:

Probefahrt vor der Eröffnung

Rad- Wanderweg entlang der Etsch und der gegenüberliegenden Strecke im Bereich Rabland / Töll.


Zug in Meran


Ausfahrt Bhf. Meran


Bhf. Algund

Etschbrücke zwischen Algund und Marling


Ausfahrt Bhf. Marling

Tunnel zwischen Marling und Töll.

Gut zu erkennen ist die Verwendung
der Y-Schwellen.


Bahnübergang an der Töll

Rabland

Einfahrt Naturns
Erlebnisbahnhof Naturns


Bei Kastelbell


Schlanders

Laas
Mals
Strecke nach Bozen:
Kurz vor Bozen

... mit neuen Elektrotriebzügen:



Die Fahrkarten

- Einzelfahrt

- Tageskarte

Links:

www.vinschgerbahn.it

www.eisenbahn.it/v_bahn.htm

www.gtw.ch/gtw/normalspur/sta_vinschgerbahn.php

www.stadlerrail.ch

www.provinz.bz.it/lpa/news/news_d.asp?art=155275